- wie du Schritt für Schritt deine Resilienz trainieren kannst
von Francisca Deetz
Hey, willkommen zurück zum dritten Artikel zum Thema Resilienz.
Wir haben bereits mit Blick auf Beziehungen und unserem sozialen Netz auf unsere äußeren Ressourcen geschaut (falls du den Artikel noch einmal lesen willst, hier findest du ihn). Wie Selbstwirksamkeit unsere Handlungsebene bestimmt, kannst du hier noch einmal nachlesen.
Heute soll es um Optimismus gehen. Warum das wichtig ist und wie du mit Optimismus deine Resileinz trainieren kannst, beschreibe ich im Folgenden. Los geht's!
Es ist Freitag 9:52 Uhr, als Alex die E-Mail öffnet.
„Leider müssen wir Ihnen mitteilen, …“
Der Rest verschwimmt. Ein Gedanke ist sofort da:
Natürlich. Ich kriege das einfach nicht hin.
Ein paar Straßen weiter erhält Camila die gleiche Absage.
Sie runzelt kurz die Stirn, atmet einmal tief ein und wieder aus – und schreibt die nächste Bewerbung.
Die Situation ist identisch.
Die Bewertung dieser nicht.
Was hier passiert, beschreibt der Psychologe Martin Seligman als attributionalen Stil – also die Art, wie wir Ereignisse erklären. Ob wir einen Rückschlag als persönlich, dauerhaft und allumfassend deuten – oder als vorübergehend, spezifisch und veränderbar.
Und genau dieser Unterschied entscheidet oft darüber, wie widerstandsfähig wir durchs Leben gehen.
Nun soll es um Optimismus gehen. Optimismus ist in der Tat relevant für unsere Resilienz. Warum?
👉 Nicht nur, was uns passiert, bestimmt unsere Resilienz – sondern auch wie wir es deuten und betrachten.
Wie Optimismus wirklich funktioniert (What’s all the fuzz ‘about?)
Optimistisch sein bedeutet nicht, dass du alles als positiv betrachten sollst und pausenlos nur positiv denken musst. Es geht auch nicht darum, die vermeintlich schlechten Gedanken zu verdrängen oder zu ignorieren.
Es geht eher um einen bestimmten Denkstil bzw. die Attribution (Erklärungslogik) dahinter zu evaluieren. Der Aufwand lohnt sich, denn es gibt eine beachtliche Evidenz für Optimismus als Resilienz-Parameter.
Was dann passiert, wirkt zunächst wie ein Unterschied im Gefühl.
Tatsächlich liegt der Unterschied eine Ebene tiefer. Camila und Alex erleben nicht zwei verschiedene Realitäten – sondern zwei verschiedene Erklärungen derselben Situation.
Der Psychologe Martin Seligman beschreibt das als unseren attributionalen Stil: die Art, wie wir Ereignisse einordnen. Ob wir einen Rückschlag als persönlich, dauerhaft oder mit einem individuellen Defizit unsererseits erklären – oder als vorübergehend, spezifisch und veränderbar.
Optimismus beginnt exakt an dieser Stelle und nicht als blinder oder naiver Glaube daran, dass alles gut wird, vielmehr als Fähigkeit, die eigene Perspektive bewusst zu verschieben.
Hier ein Beispiel:
| Pessimistischer Attributionsstil: | Optimistischer Attributionsstil: |
|---|---|
| „Ich bin einfach nicht intelligent genug (intern), ich werde das nie schaffen (stabil), und das betrifft eh alle Bereiche meines Lebens (global).“ | "Ich habe mich dieses Mal nicht effektiv genug vorbereitet (spezifisch), das kann ich beim nächsten Versuch ändern (variabel), und es sagt nichts über meine grundsätzlichen Fähigkeiten aus (nicht global).“ |
→ Die gleiche Situation wird unterschiedlich erklärt – mit direkten Auswirkungen auf Motivation, Emotionen und legt man zukünftiges Verhalten.
Ok, schön und gut. Und wie entsteht dieser Attributionsstil?
Hier hilft ein Tool aus der Positiven Psychologie- man bedient sich dem kognitiven Reframing – einer kognitiven Neubewertung.
Die Absage bleibt dieselbe. Aber sie kann Unterschiedliches bedeuten: ein Beweis für das eigene Scheitern. Oder ein konkretes Feedback in einem bestimmten Moment. Diese Unterscheidung ist nicht theoretisch. Sie entscheidet darüber, was als Nächstes passiert. Wirklich! Sie entscheidet darüber, was als Nächstes passiert.
Während Alex in der Geschichte stecken bleibt, die er sich über sich selbst erzählt, bleibt Camila handlungsfähig. Nicht, weil sie sich besser fühlt oder selbstbewusster zur Welt gekommen ist– sondern weil sie anders interpretiert.
Der Attributionsstil beschreibt dabei die zugrunde liegende Erklärungslogik, während kognitives Reframing als konkretes Werkzeug dient, diese aktiv zu verändern. Ein optimistischer Attributionsstil interpretiert negative Ereignisse eher als temporär, spezifisch und auch veränderbar – und trägt damit wesentlich zur psychischen Resilienz bei.
Optimismus ist damit weniger eine Frage der Persönlichkeit als eine Frage der Verarbeitung.
Wir reagieren nicht auf die Welt, wie sie ist, sondern auf die Bedeutung, die wir ihr geben. Das haben wir selbst in der Hand.
Optimismus ist keine Emotion – sondern die Art, wie wir Realität interpretieren.
- 🧠 Ereignis → Interpretation → Emotion → Verhalten
- ⚡ nicht: Ereignis → Emotion
Charles R. Snyder bringt ein bisschen Licht ins Dunkel, falls du jetzt noch nicht weißt, wie du die bisherigen Infos in Zukunft für dich nutzen sollst. Er war ein US-amerikanischer Psychologe und einer der zentralen Forscher der Positiven Psychologie. Sein Hauptbeitrag ist die Hope Theory (Hoffnungstheorie). Er spricht bewusst nicht einfach von Optimismus, sondern von Hoffnung – weil er das Konzept konkreter fassen wollte.
Laut Snyder besteht 🔑 Hoffnung aus zwei Komponenten:
- ❤️🔥 Agency (Willenskraft / Zielenergie)
→ „Ich glaube, dass ich etwas bewirken kann.“ - 🛣️ Pathways (Wegefähigkeit)
→ „Ich finde Wege, mein Ziel zu erreichen – auch wenn Hindernisse kommen.“
Damit sind besonders Zielklarheit und Handlungsfähigkeit im Mittelpunkt, was wiederum eine kleine Brücke zur Selbstwirksamkeit schlägt. Optimismus ist also keineswegs naiv – er ist durchaus funktional!
Jetzt mal Butter bei die Fische:
Sicher kennst du solche Momente aus deinem eigenen Alltag.
Ein Gespräch, das nicht so lief wie erhofft. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein schwer anfühlt.
Die Frage ist oft weniger, was passiert ist – sondern welche Geschichte du daraus machst.
Wenn du das nächste Mal in einer herausfordernden Situation bist, halte kurz inne und frage dich:
Welche andere, ebenso realistische Erklärung könnte es noch geben?
Genau hier beginnt Reframing – und damit die Möglichkeit, anders zu fühlen und anders zu handeln.
- Innehalten
Nimm den Moment bewusst wahr. Was ist gerade passiert? – ganz neutral, ohne Bewertung! - Hinterfragen
Welche Geschichte erzählst du dir darüber?
Und: Gibt es eine andere, ebenso realistische Erklärung? - Neu einordnen
Wähle eine Perspektive, die dir Handlungsspielraum gibt.
Nicht schöner – sondern hilfreicher.
Am Ende ist es vielleicht genau das, was Alex und Camila unterscheidet.
Nicht die Situation. Sondern die Bedeutung, die sie ihr geben. Optimismus bedeutet nicht, dass alles leicht ist.
Aber er verändert, wie wir mit dem umgehen, was uns begegnet. Genau das der Kern von Resilienz:
du hast nicht immer die Kontrolle über das, was passiert –
aber immer über die Art, wie du mit kleinen Niederschlägen umgehst.
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